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Kultur - 08.01.2019

Social Entrepreneurs: Innovativ und mit sozialer Ader

Unternehmer mit sozialer Ader sind zwar nichts Neues, liegen aber in Deutschland immer stärker im Trend. Jetzt hat die staatliche Förderbank KfW erstmals in einer Studie untersucht, wie diese Social Entrepreneurs ticken.

Soziale Verantwortung als Unternehmenszweck – das war schon die Triebfeder von Friedrich Wilhelm Raiffeisen (Artikelbild), der in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Not der hungernden Bauern lindern wollte und mit seiner Genossenschaftsidee den Grundstein für die bis heute bestehende Raiffeisenorganisation schuf. In Jena war es Ernst Abbe, der Ende des 19. Jahrhunderts mit der Carl-Zeiss-Stiftung völlig neue Wege ging, um ein Unternehmen sozial verantwortungsvoll zu organisieren. Aber so richtig ins Bewusstsein der Öffentlichkeit kam der Sozialunternehmer, der Social Entrepreneur, erst mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an Muhammad Yunus im Jahr 2006. Yunus hatte 1983 mit der Grameen Bank in Bangladesch einen Weg gefunden, wie arme Menschen ohne Bankkonto und ohne Sicherheiten an Darlehen kommen können. Mittlerweile finanziert Grameen Projekte für Erneuerbare Energien, betreibt ein landesweites Mobilfunknetz oder bietet Mikro-Krankenversicherungen an – in Asien, Afrika, dem Nahen Osten und Lateinamerika. Die Idee von Mikrokrediten für Mittellose als Hilfe zur Selbsthilfe motivierten auch andere Sozialunternehmer.

In Deutschland sind das häufig Firmengründer, die einen Beitrag zum Umweltschutz oder zur Lösung eines gesellschaftlichen Problems leisten wollen. Doch sie haben nicht nur eine soziale Ader oder eine Schwäche für die Umwelt: Die Sozialunternehmer in Deutschland sind dabei auch besonders häufig innovativ, so das Studien-Ergebnis der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Innovativer als gewinnorientierte Firmengründer

Knapp ein Drittel dieser sozial orientierten Jungunternehmer bieten Marktneuheiten in ihrem Bereich an, das sind rund dreimal so viele wie unter herkömmlichen Jungunternehmern. Berücksichtigt wurden die vor der Befragung 2017 aktiven Existenzgründer der vergangenen fünf Jahre. Jeder vierte der rund 154.000 Sozialunternehmer entwickelte zudem eigene technologische Innovationen bis zur Marktreife, dagegen nur 11 Prozent der anderen Gründer. „Viele der sogenannten Social Entrepreneurs sind also durchaus Vorreiter für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung“, unterstreicht KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

„Sozialunternehmer haben neben dem Gewinnziel ein soziales oder ökologisches Anliegen ganz oben in ihrem Zielsystem verankert und verzichten dafür auf mögliche Rendite“, erläutert Zeuner. Sie schaffen der Studie zufolge auch häufiger Jobs als andere Existenzgründer. Ein Drittel der Sozialunternehmer beschäftige Mitarbeiter (32 Prozent), bei anderen Jungunternehmern seien es 25 Prozent.

Firmengründung nicht als Notnagel

Die Mehrheit der Sozialunternehmer macht sich außerdem deshalb selbstständig, weil die Gründer damit eine Geschäftsidee umsetzen wollen. Fehlende Job-Alternativen spielten nur bei 17 Prozent die entscheidende Rolle, dagegen bei einem Drittel der anderen Gründer. 

Besonders häufig steht ein soziales oder ökologisches Anliegen den Angaben zufolge bei Frauen und über 50-Jährigen im Fokus. „Die Sozialunternehmer zeigen, dass man auch im fortgeschrittenen Berufsleben neue Pläne verwirklichen kann. Auch das ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zu begrüßen“, sagt Zeuner.

Die staatliche Förderbank untersuchte im Rahmen ihres Gründungsmonitors erstmals die Besonderheiten von jungen Sozialunternehmen. Im Jahr 2017 gab es den Angaben zufolge 154.000 Gründer, die 108.000 Unternehmen mit sozialem und ökologischem Schwerpunkt führten. Das waren rund neun Prozent der noch aktiven Existenzgründer der vergangenen fünf Jahre vor der Befragung.

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