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Kultur - 4 Wochen ago

„Becoming“: Michelle Obama legt ihre Memoiren vor

Sie ist kein Politik-Fan und konnte bei Trumps Amtseinführung nicht lächeln: Michelle Obamas Memoiren „Becoming: Meine Geschichte“ bieten Inspiration und überraschende Einblicke ins Privatleben der ehemaligen First Lady.

„Ich war nie ein Politik-Fan“, schreibt Michelle Obama in ihren Memoiren „Becoming: Meine Geschichte“. „Und meine Erfahrungen aus den vergangenen zehn Jahren haben wenig dazu beigetragen, das zu ändern.“ Eine ungewöhnliche Aussage für eine ehemalige First Lady der Vereinigten Staaten, deren Mann in zwei Amtszeiten 2.923 Tage als Präsident im Weißen Haus saß. Ihre Abneigung gegen die Politik stellte die Anwältin, aufgewachsen in einem überwiegend schwarzen Viertel auf der Südseite Chicagos, lange zurück.

Michelle Obama unterstützte dagegen Veteranen und den Kampf gegen Fettleibigkeit bei Kindern. Sie nutzte ihre Position, um auf Probleme aufmerksam zu machen, mit denen viele Amerikaner konfrontiert sind: Armut, Obdachlosigkeit, mangelnder Zugang zu gesunden Lebensmitteln, zivile und LGBTQ-Rechte. Sie setzte ihre Rolle auch dafür ein, durch das Tragen ihrer Outfits auf amerikanische Designer aufmerksam zu machen, ebenso wie auf afroamerikanische Künstler wie Amy Sherald, die als erste schwarze Künstlerin ein offizielles Präsidentenporträt malte.

Da lächelte sie noch: Michelle Obama bei der Amtseinführung ihres Mannes Barack im Jahr 2013.

In 30 Sprachen übersetzt

Oft mit Jackie Kennedy verglichen, gelang es Obama, eine eigene Rolle zu definieren, die sich von denen aller früheren First Ladys unterschied: Mit Weisheit, Anmut, ihrer offenen und inspirierenden Art gewann sie die Amerikaner für sich. Einen Eindruck dieser Ausdrucksstärke liefert „Becoming: Meine Geschichte“, das am 13. November gleichzeitig in 30 Sprachen veröffentlicht wurde – ein Bestseller bereits vor seinem Erscheinungstermin.

Der US-Schriftsteller Kiese Laymon schreibt in der Dezemberausgabe der „Vanity Fair“: „Ich möchte wissen, was sie über Einkommensungleichheit, sexuelle Gewalt, weiße Vorherrschaft und den amerikanischen Ausnahmezustand angesichts einer niedergeschlagenen Opposition meint. Ich weiß, dass wir alles annehmen werden, was sie anbietet, denn wir sind hungrig.“

Sorge um die Töchter: Malia und Sasha Obama

Becoming Michelle Obama

Wer wie Laymon nach Inspiration sucht, wird von den Memoiren nicht enttäuscht. In drei Teilen – „Becoming Me“, „Becoming Us“ und „Becoming More“ – eröffnet das Buch einen Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es geht auf Obamas Kindheit in der Arbeiterklasse ein und zeichnet nach, wie Erfahrungen – etwa die Konfrontation mit einem Schultyrannen – ihre Persönlichkeit geprägt und ihre Werte beeinflusst haben.

Zum titelgebenden Werden der Person, die Michelle Obama heute ist, trug auch die Entscheidung ihres Mannes Barack bei, sich als Präsident der Vereinigten Staaten zu bewerben. Im Buch offenbart sie ihre Ängste um die beiden Kinder und ihre Privatsphäre ebenso wie die tiefe Bestürzung über die Reaktion mehrerer Republikaner im Kongress auf die Wahl ihres Mannes: „Sie bekämpften alles, was Barack tat“, schreibt sie, „es schien, als wollten sie einfach nur, dass er versagt.“

Memoiren und Selbsthilfe: „Becoming“

Persönliche Einblicke

Nachdem im Vorfeld der Veröffentlichung ein Auszug bekannt wurde, in dem Obama darüber schreibt, dass sie bei Donald Trumps Amtseinführung im Januar 2017 nicht lächeln konnte, hatten viele eine Abrechnung mit dem derzeitigen US-Präsidenten erwartet. Stattdessen ist „Becoming“ eine dynamische Mischung aus Memoiren und inspirierender Selbsthilfe. Es ist voll von persönlichen Reflexionen, die überraschen – einschließlich der Offenbarung, dass sie eine Fehlgeburt erlitt und die beiden Töchter Malia und Sasha mit Hilfe von künstlicher Befruchtung entstanden.

Jenen, die sich einsam und abgehängt fühlen oder auf eine bessere Welt hoffen, gibt Michelle Obama ein einfaches Credo mit auf den Weg: „Angst ist kein richtiger Motivator. Die Hoffnung gewinnt.“

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