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Welt - 22.11.2018

Ureinwohner töten Missionar mit Pfeilen

Der Stamm im indischen Ozean lebt seit Jahrtausenden völlig isoliert auf einer kleinen Insel

Das Bild zeigt einen Mann vom Stamm der Sentinelesen, der nach dem Tsunami auf einen Hubschrauber der indischen Küstenwache zielt.

John Allen Chau, 27 Jahre alt, war Abenteurer und Missionar. Seine letzte Reise führte ihn auf eine abgeschiedene Insel der Andamanen im Indischen Ozean. Auf der Insel Nord Sentinel lebt ein von der Außenwelt völlig abgeschnittener Stamm von Ureinwohnern, der bekannt dafür ist, Fremde mit Pfeil und Bogen anzugreifen.

Die Insel gehört zu den von Indien verwalteten Andamanen und Nikobaren zwischen Indien und Myanmar. Die indische Regierung hat jeden Kontakt mit dem dort lebenden Stamm der Sentinelesen verboten, um deren Lebensweise zu schützen und das Einschleppen von Krankheiten zu verhindern. Das hielt Chau vergangene Woche nicht davon ab, sieben Fischern in Port Blair, der Hauptstadt des Archipels, 325 Dollar zu zahlen, um ihn illegal nach Nord Sentinel zu bringen. Der letzte Eintrag auf seinem Instagram-Konto am 2. November lautete: „Das Abenteuer wartet. So wie Blutegel“.

Chau hatte die Andamanen schon dreimal zuvor besucht und hegte offenbar den starken Wunsch, den Stamm zum Christentum zu bekehren. Aus indischen Polizeikreisen verlautete, Chau habe den Eingeborenen predigen wollen.

Er und die Fischer brachen im Schutz der Nacht auf. Am 15. November paddelte Chau vor Tagesanbruch mit seinem Kajak zur Insel und schickte die Fischer mit dem Boot zurück, damit er von den Eingeborenen nicht entdeckt werde, sagte Dependera Pathak, oberster Polizeibeamter der Andamanen und Nikobaren.

Die Fischer sagten später, dass Stammesangehörige Pfeile auf Chau geschossen hätten und dass er sich zurückzog. Chau habe Geschenke wie einen kleinen Fußball, Angelschnur und Schere angeboten. Offenbar wurden die Stammesangehörigen wütend. Ein Pfeil, so sagte Pathak, traf das Buch, das Chau trug: die Bibel. Rettete sie ihm zunächst das Leben? Bestätigte dies seine Absichten?

Auch das Kajak des Amerikaners wurde beschädigt. Chau schwamm zum Boot der Fischer zurück, das an einem vorher vereinbarten Ort wartete. Er verbrachte die Nacht an Bord und schrieb das Erlebte auf Papierseiten auf, die er den Fischern gab. Jesus gebe ihm die Kraft, schrieb er, einige der verbotensten Orte der Welt zu besuchen.

Am nächsten Tag schwamm er zurück zur Insel. Den Fischern zufolge wurde er mit Pfeilen angegriffen, als er einen Fuß an Land setzte. Er ging trotzdem weiter. Dann sahen die Fischer, wie Stammesleute ein Seil um seinen Hals banden und seinen Körper abschleppten. „Es war ein irregeführtes Abenteuer“, erklärte Pathak dazu. „Er wusste, dass er das nicht durfte“.

Chau ist nicht das erste Opfer der Inselbewohner, deren Vorfahren nach Angaben der britischen BBC vor 55000 Jahren aus Afrika in der Region ankamen und offenbar über all die Jahrtausende die gleiche Lebensweise bewahrten. Im Jahr 2006 wurden zwei Fischer getötet, deren Boot sich in die Gewässer um die Insel verirrte. Ihre Körper wurden nie gefunden. Ein Hubschrauber der indischen Küstenwache versuchte auf der Insel zu landen, um die beiden zu finden. Der Pilot musste die Landung abbrechen, der Hubschrauber kam unter Pfeil-Beschuss.

Schon zwei Jahre zuvor war ein Hubschrauber der indischen Marine, der nach dem verheerenden Tsunami im Indischen Ozean die Zerstörungen auf der Insel überprüfen wollte, von einem Hagel von Pfeilen begrüßt worden. Das war die erwünschte Reaktion, dadurch erfuhr man, dass die Inselbewohner den Tsunami überlebt hatten. Der Hubschrauber drehte sofort ab.

Die Andamanen und nahegelegenen Nikobaren sind weitgehend unberührte, von Korallen und Palmen gesäumte Inselparadiese im Indischen Ozean. Die Regierung kontrolliert den Zugang zu den mehr als 500 Inseln strikt, viele Gebiete sind tabu. Im Jahr 1996 hat die Regierung Kontakte mit den Sentinelesen offiziell verboten. Die indische Marine überwacht die Schutzzone.

Dem indischen Anthropologen T.N. Pandit zufolge, der Nord Sentinel zwischen 1967 und 1991 mehrmals besuchte, zählt der sentinelische Stamm rund 50 Menschen. Sie jagen mit Speeren und Pfeilen, die aus Metallresten gefertigt werden, die am Ufer angeschwemmt werden. Die Sentinelesen seien feindseliger gegenüber Fremden als andere indigene Gemeinschaften. Die Jarawa, ein anderer Stamm, hätten ihn dagegen eingeladen, an Land zu gehen und Lieder zu singen.

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