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Kultur - 02.07.2019

Comiczeichner Guillermo Mordillo ist tot

Der argentinische Zeichner Guillermo Mordillo ist auf Mallorca gestorben. Sein Markenzeichen: Figuren mit Knollennasen, die ihn zu einem der bekanntesten Comiczeichner weltweit machten.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Guillermo Mordillo

    Am 4. August 1932 kam Guillermo Mordillo y Meléndez in Buenos Aires als Sohn spanischer Einwanderer zur Welt. Schon als Kind beschloss er, einmal Zeichner zu werden. Mit 14 brach er die Schule ab, anschließend erwarb er ein Zeichner-Diplom und illustrierte im Alter von 18 Jahren Kinderbücher.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Auf der Suche nach der Leidenschaft

    Nach einem Ausflug zum Trickfilm entwarf Mordillo als Artdirektor einer Werbeagentur Figuren für Grußkarten. Sie sollten die Vorläufer seiner berühmten Charaktere werden, mit denen dem Argentinier in den 1960er Jahren in Frankreich der Durchbruch gelang.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Kleine Leute, große Nasen

    Nach Stationen in Lima und New York ging Mordillo 1963 nach Paris – ohne ein Wort Französisch zu sprechen. Damit erklärte der Künstler später, dass seine Figuren stets wortlos blieben. Seine Motive kennen keine sprachlichen Grenzen und werden dadurch überall verstanden. 1966 erschien in dem Magazin „Pèlerin“ sein erster Cartoon. Fortan war die Knollennase das Markenzeichen des Cartoonisten.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Identische Eigenschaften

    Neben den Nasen teilen Mordillos Figuren auch andere Eigenschaften: Sie sind namenlos, ohne Ohren, tragen identische Frisuren, haben häufig weit aufgerissene Augen, und ihr Mund ist nur zu sehen, wenn er geöffnet ist. Der Künstler bezeichnete das nahezu identische Äußere als „symbolisch für das menschliche Wesen“.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Inspiration bei den sieben Zwergen

    Für die Knollennasen hat sich Mordillo übrigens schon als kleiner Junge im Kino inspirieren lassen: Als er dort „Schneewittchen“ sah, war er von den Nasen der sieben Zwerge, die sich über die Bettkante ihrem schlafenden Gast nähern, derart beeindruckt, dass er dieses Merkmal später in seinen Zeichnungen aufgriff.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Große Tiere

    Zum Portfolio des Argentiniers zählen nicht nur die kleinen Figuren mit ihren großen Nasen, sondern auch große Tiere, bevorzugt Kühe und Giraffen. Mordillo verwendete in seinen Arbeiten Wasserfarben, Tinte, Pastell und Acryl. Rund eine Woche nahm er sich für eine Arbeit Zeit.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Häufig hilflos

    Häufig befinden sich Mordillos Figuren in scheinbar ausweglosen Situationen. Auf sich selbst gestellt, tragen sie diese Momente dennoch mit Würde. Der Künstler verband mit ihnen Zärtlichkeit, Hoffnung und den Anspruch, das Beste aus dem Moment zu machen – so dramatisch er auch sein mag.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Farbenfrohes Umfeld

    Während Mordillo seine Figuren farblos darstellt, sind sie in den meisten seiner Werke von kräftigen Farben umgeben. Die eingefangenen Augenblicke sind meist auf das Wesentliche reduziert: Ein Blick genügt, um die Atmosphäre zu transportieren, in der sich seine Helden bewegen.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Ein weißes Blatt Papier

    2012 war Guillermo Mordillo auf der Buchmesse in Frankfurt am Main zu Gast. Dort zückte er seinen Stift und malte eine Giraffe – mit der Mordillo-typischen Nase. Schnell von der Hand gehen die Arbeiten dem Künstler aber nicht. „Nichts in meinen Cartoons ist spontan. Ich arbeite Millimeter für Millimeter und brauche sehr viel Zeit“, sagt er einmal.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Künstler von Weltruhm

    Mordillos Figuren sind in der ganzen Welt bekannt. In Deutschland waren sie in Spots der ARD-Fernsehlotterie zu sehen. Die Vermarktung von Lizenzprodukten ist unerschöpflich: Neben Cartoons und Büchern gibt es Kalender, Poster, Stofftiere und Puzzles von und mit Mordillos Figuren zu erwerben. Seine Originale verkaufte der Künstler übrigens nicht – sie lagen in einem Bankschließfach.

    Autorin/Autor: Torsten Landsberg


  • Ein Leben für die Knollennasen

    Guillermo Mordillo

    Am 4. August 1932 kam Guillermo Mordillo y Meléndez in Buenos Aires als Sohn spanischer Einwanderer zur Welt. Schon als Kind beschloss er, einmal Zeichner zu werden. Mit 14 brach er die Schule ab, anschließend erwarb er ein Zeichner-Diplom und illustrierte im Alter von 18 Jahren Kinderbücher.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Auf der Suche nach der Leidenschaft

    Nach einem Ausflug zum Trickfilm entwarf Mordillo als Artdirektor einer Werbeagentur Figuren für Grußkarten. Sie sollten die Vorläufer seiner berühmten Charaktere werden, mit denen dem Argentinier in den 1960er Jahren in Frankreich der Durchbruch gelang.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Kleine Leute, große Nasen

    Nach Stationen in Lima und New York ging Mordillo 1963 nach Paris – ohne ein Wort Französisch zu sprechen. Damit erklärte der Künstler später, dass seine Figuren stets wortlos blieben. Seine Motive kennen keine sprachlichen Grenzen und werden dadurch überall verstanden. 1966 erschien in dem Magazin „Pèlerin“ sein erster Cartoon. Fortan war die Knollennase das Markenzeichen des Cartoonisten.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Identische Eigenschaften

    Neben den Nasen teilen Mordillos Figuren auch andere Eigenschaften: Sie sind namenlos, ohne Ohren, tragen identische Frisuren, haben häufig weit aufgerissene Augen, und ihr Mund ist nur zu sehen, wenn er geöffnet ist. Der Künstler bezeichnete das nahezu identische Äußere als „symbolisch für das menschliche Wesen“.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Inspiration bei den sieben Zwergen

    Für die Knollennasen hat sich Mordillo übrigens schon als kleiner Junge im Kino inspirieren lassen: Als er dort „Schneewittchen“ sah, war er von den Nasen der sieben Zwerge, die sich über die Bettkante ihrem schlafenden Gast nähern, derart beeindruckt, dass er dieses Merkmal später in seinen Zeichnungen aufgriff.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Große Tiere

    Zum Portfolio des Argentiniers zählen nicht nur die kleinen Figuren mit ihren großen Nasen, sondern auch große Tiere, bevorzugt Kühe und Giraffen. Mordillo verwendete in seinen Arbeiten Wasserfarben, Tinte, Pastell und Acryl. Rund eine Woche nahm er sich für eine Arbeit Zeit.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Häufig hilflos

    Häufig befinden sich Mordillos Figuren in scheinbar ausweglosen Situationen. Auf sich selbst gestellt, tragen sie diese Momente dennoch mit Würde. Der Künstler verband mit ihnen Zärtlichkeit, Hoffnung und den Anspruch, das Beste aus dem Moment zu machen – so dramatisch er auch sein mag.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Farbenfrohes Umfeld

    Während Mordillo seine Figuren farblos darstellt, sind sie in den meisten seiner Werke von kräftigen Farben umgeben. Die eingefangenen Augenblicke sind meist auf das Wesentliche reduziert: Ein Blick genügt, um die Atmosphäre zu transportieren, in der sich seine Helden bewegen.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Ein weißes Blatt Papier

    2012 war Guillermo Mordillo auf der Buchmesse in Frankfurt am Main zu Gast. Dort zückte er seinen Stift und malte eine Giraffe – mit der Mordillo-typischen Nase. Schnell von der Hand gehen die Arbeiten dem Künstler aber nicht. „Nichts in meinen Cartoons ist spontan. Ich arbeite Millimeter für Millimeter und brauche sehr viel Zeit“, sagt er einmal.

  • Ein Leben für die Knollennasen

    Künstler von Weltruhm

    Mordillos Figuren sind in der ganzen Welt bekannt. In Deutschland waren sie in Spots der ARD-Fernsehlotterie zu sehen. Die Vermarktung von Lizenzprodukten ist unerschöpflich: Neben Cartoons und Büchern gibt es Kalender, Poster, Stofftiere und Puzzles von und mit Mordillos Figuren zu erwerben. Seine Originale verkaufte der Künstler übrigens nicht – sie lagen in einem Bankschließfach.

    Autorin/Autor: Torsten Landsberg


Sogar im öffentlichen Leben war Mordillo mit seinen Zeichnungen bis weit in die 1990er omnipräsent: Seine kurzen humoristischen Clips liefen im Fernsehen und auf Screens in U-Bahnstationen und anderen öffentlichen Plätzen. Neben Cartoons und Büchern gibt es bis heute weltweit Kalender, Poster, Stofftiere und Puzzles von und mit Mordillos Figuren zu erwerben.

Von Disney angefixt

Dass Mordillo einmal ein so berühmter Zeichner werden würde, war allerdings nicht von Anfang an abzusehen, denn der Sohn spanischer Einwanderer wuchs in einfachen Verhältnissen in Buenos Aires auf. Sein Vater war Elektriker, seine Mutter Hausangestellte. Schon früh entwickelte Mordillo zwei Leidenschaften: Fußball und Zeichnen. Als Fünfjähriger hatte er im Kino Walt Disneys „Schneewittchen“-Verfilmung gesehen und war von den Knollennasen der sieben Zwerge so beeindruckt, dass er seitdem nicht mehr aufhörte zu zeichnen. Er besuchte später zwar eine Journalistenschule, diplomierte aber in Design.

Nicht nur menschliche Figuren, sondern auch Tiere bekamen von Mordillo die charakteristische Knollennase verpasst. Hier eine Giraffe, die Mordillo auf der Buchmesse in Frankfurt 2012 zeichnet

Mit 18 Jahren begann er, Kinderbücher zu illustrieren und machte kurz darauf seine ersten Erfahrungen mit Trickfilm. 1955 wurde er Art Director bei einer internationalen Werbeagentur im peruanischen Lima. Parallel begann er, Grußkarten zu zeichnen. Diese waren bereits voll mit den glubschäugigen, knollennasigen Figuren, die später zu seinem Markenzeichen werden sollten. Zu jener Zeit war Mordillo unter anderem auch für den US-amerikanischen Postkartenhersteller Hallmark tätig. Dank seiner guten Kontakte zog er 1960 für drei Jahre nach New York, wo er schließlich in den weltbekannten Paramount Trickfilmstudios arbeitete und für Cartoon-Serien wie Popeye und Little Lulu zeichnete.

Sprachlos in Paris

1963 zog er schließlich – mit nur 150 Dollar in der Tasche und ohne ein Wort Französisch zu sprechen – nach Paris, wo er bis 1980 lebte und arbeitete. Er hatte eigentlich nach London ziehen wollen, wurde aber auf dem Weg dorthin vom Fleck weg von dem französischen Verlag Mic-Mac eingestellt  – und blieb. Nach drei Jahren bei Mic-Mac bot er seine Bildergeschichten verschiedenen Zeitschriften an. „Le Pèlerin“, „Paris Match“ und „Lui“ sind nur einige der bekannten Titel, in denen seine Bildergeschichten von da an erschienen. Kurz darauf zog in Deutschland das Reportage-Magazin „Stern“ nach. Seine erste Cartoon-Sammlung in Buchform hieß „Das Piratenschiff“ und wurde ein Riesenerfolg. Es folgten Trickfilme, Poster, Puzzles, Kalender, Schreibwaren, T-Shirts, Sportkleidung und Plüschtiere. Anfang der 1970er Jahre ist Mordillo einer der größten lebenden Comiczeichner der Welt.

Mordillo brauchte keine Worte für seine Cartoons

Der große Erfolg seiner Knollenwesen liegt vermutlich darin begründet, dass sie überall auf der Welt verstanden werden – denn sie sprechen nicht. Insofern spiegeln sie Mordillos eigene Erfahrungen in mehreren ihm fremden Ländern, wo er sich direkt in der Arbeitswelt durchschlagen musste, ohne die Landessprache zu beherrschen. In fortgeschrittenen Alter sagte er einmal: „Ich spreche fünf Sprachen, aber am besten beherrsche ich die Sprache des Zeichnes, denn sie versteht man überall.“  

Die Themen seiner Bildgeschichten sind universell, sie erzählen von Liebe, Einsamkeit und Zweisamkeit. Seine Figuren geraten oft in schwierige Situationen, aber es gibt immer Hoffnung. Mordillo selbst nannte seinen Humor einmal eine Art von „Zärtlichkeit, die hilft, Angst zu überwinden“. Für seine herausragende Lebensleistung erhielt Mordillo zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Seit 1980 lebte Mordillo mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern auf Mallorca, bevor er seinen Wohnsitz 1997 nach Monaco verlegte.

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