Home Kultur „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“: Judith Kerr ist tot
Kultur - 24.05.2019

„Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“: Judith Kerr ist tot

Schulkinder lesen ihre Bücher, lieben Kater Mog und staunen über das „rosa Kaninchen“. 1933 floh Judith Kerr mit ihrer Familie vor den Nazis. Vor zwei Jahren trafen wir sie für unser DW-Special „Nach der Flucht“.

DW_PLAYER.shareLocalization = „Teilen“;
DW_PLAYER.localization = {
rewind: „10 Sek. zurückspulen“,
settings: „Einstellungen“,
hd: „Qualität“,
fullscreen: „Vollbild“,
cc: „Untertitel“,
nextUp: „Nächstes Video“,
playlist: „Playlist“,
pause: „Pause“,
play: „Abspielen“,
player: „Videoplayer“,
prev: „Vorherige Videos“,
next: „Nächste Videos“,
close: „Schließen“,
replay: „Wiederholen“,
volume: „Lautstärke“
};

Es war im Sommer 2017: Judith Kerr ist ganz englische Lady, als erstes bittet sie zum Tee. Und so saß ich ihr auf einem gemütlichen Sessel in ihrem Londoner Wohnzimmer gegenüber: Eine zierliche alte Dame im eleganten blauen Kleid, mit Perlenkette, die weißen Locken sorgfältig frisiert. Alle fünf Minuten rauschte ein Flugzeug über uns hinweg – hier im Londoner Süden, in der Einflugschneise des Flughafens Heathrow, wohnte Judith Kerr seit über einem halben Jahrhundert.

Eine unauffällige Nachbarin 

Hier lebte sie gemeinsam mit ihrer großen Liebe, ihrem Mann Nigel Kneale, dem Vater ihrer zwei Kinder – bis zu seinem Tod im Jahr 2006. Sohn und Tochter sind hier aufgewachsen, in einem typisch englischen Backstein-Häuschen mit gepflegtem Vorgarten samt Rhododendronbüschen und Blumenbeeten – genauso gemütlich-unauffällig wie die Nachbarhäuser.

Schon als Kind zeichnet Judith Kerr leidenschaftlich gern: Zeichnung um 1932-38

Dass dies das Haus einer weltbekannten Bestsellerautorin war, deren Bücher in über 20 Sprachen übersetzt und mehr als 10 Millionen Mal verkauft wurden, sah man nicht.

Am liebsten schrieb und zeichnete sie Kinderbücher

Fast ein Jahr lang haben wir versucht, für unser Film-Special „Nach der Flucht“ einen Interviewtermin bei Judith Kerr zu bekommen. Gar nicht so leicht – denn am liebsten schreibt und zeichnet sie Kinderbücher. Und veröffentlicht ein Buch nach dem anderen: Rund ein Jahr nach „Ein Seehund für Herrn Albert“ (2016) ist 2017 „Katinka’s Tail“ erschienen. Darin steht erneut eine ihrer eigenen Katzen im Mittelpunkt – wie bereits in der erfolgreichen Reihe um Kater Mog. Klar, dass uns auch bei unserem Besuch eine Katze um die Beine streicht.

Welterfolg: Judith Kerrs autobiographische Romantrilogie

„Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“

Weltberühmt gemacht hat Judith Kerr aber ein Roman, in dem Katzen keine Rolle spielen: „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“.

Er erzählt, wie ein kleines Mädchen mit seiner Familie 1933 vor den Nazis aus Deutschland flieht – es ist Judith Kerrs eigene Geschichte. Wie viel Wahrheit im Roman stecke, frage ich sie. „Alles Wichtige ist genauso gewesen, ich habe es so ehrlich geschrieben, wie ich konnte“, antwortet sie. „Wenn man in der ersten Person schreibt, dann muss alles genauso sein, wie es war – sonst schummelt man.“


  • Kinderbuchautorin Judith Kerr – Flucht als Abenteuer

    Eine glückliche Kindheit

    Judith Kerr (rechts) wächst behütet in Berlin auf, ihr Bruder Michael ist zwei Jahre älter. Die Kinder des bekannten Theaterkritikers Alfred Kerr haben viele Freiheiten. Ihre Mutter Julia ist Pianistin, und komponiert viel zu Hause. Auf dem Schulweg kauft Judith oft Buntstifte und zeichnet Geschichten, die sie mit ihren Freundinnen erlebt hat. Auf Rechnen und Lesen hat sie wenig Lust.


  • Kinderbuchautorin Judith Kerr – Flucht als Abenteuer

    Vater Kerr spricht im Radio

    Alfred Kerr ist ein entschiedener Gegner der Nationalsozialisten. Ab Frühjahr 1932 hat er jeden Montag im deutschen Rundfunk eine eigene Radiosendung. Die Drohungen der Nazis halten die Eltern vor den Kindern geheim. Weihnachten 1932 dürfen Judith und ihr Bruder zum ersten Mal ins Kino: „Emil und die Detektive“. Den beiden Kindern ist nicht bewusst, dass sie als jüdische Familie gefährdet sind.


  • Kinderbuchautorin Judith Kerr – Flucht als Abenteuer

    Adolf Hitler und die Nazis kommen an die Macht

    Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler (Bildmitte), der „Führer“ der NSDAP, zum Reichskanzler ernannt. Die politischen Umbrüche nehmen in rasantem Tempo ihren Lauf. Die Familie Kerr lebt in Berlin-Grunewald, die Kinder bekommen die politischen Veränderungen nicht direkt mit. Aber sie spüren die Unruhe der Eltern. Ihren Jugendroman nennt Judith Kerr später: „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“.


  • Kinderbuchautorin Judith Kerr – Flucht als Abenteuer

    Die letzten Wochen in der Reichshauptstadt

    Im Februar 1933 liegt der Vater mit schwerer Erkältung im Bett. Die Nationalsozialisten haben die Macht übernommen, überall in der Berlin sind Aufmärsche. Gewerkschafter und Regime-Gegner werden hart verfolgt, erste Verhaftungswellen laufen an. Alfred Kerr wird zum Glück gewarnt, dass sein Pass konfisziert werden soll. Am 15. Februar flieht er nachts in letzter Minute über die Grenze nach Prag.


  • Kinderbuchautorin Judith Kerr – Flucht als Abenteuer

    Abenteuerliche Flucht in die Schweiz

    Judith und ihr Bruder sagen kein Sterbenswörtchen über die Flucht des Vaters. Die Mutter beginnt heimlich Koffer zu packen, auch die Kinderzeichnungen von Judith nimmt sie mit. Am Tag vor der Reichstagswahl am 5. März 1933 steigen sie den Zug in die Schweiz, gerade noch rechtzeitig. Dort treffen sie auch den Vater wieder. Den Geschwistern erscheint die Reise ins Exil eher wie ein großes Abenteuer.


  • Kinderbuchautorin Judith Kerr – Flucht als Abenteuer

    Die Bücherverbrennung 1933

    Als jüdischer Schriftsteller ist Alfred Kerr schon lange im Visier der Nazis. Am 10. Mai 1933 findet vor der Berliner Humbold-Universität eine öffentliche Bücherverbrennung statt, organisiert von der „Deutschen Studentenschaft“. Die Bücher von Alfred Kerr werden von der johlenden Menge ins Feuer geworfen, genauso wie die anderer Emigranten: Thomas und Heinrich Mann, Erich Kästner, Franz Werfel.


  • Kinderbuchautorin Judith Kerr – Flucht als Abenteuer

    Fluchtstationen: Lugano, Zürich, Paris

    Judith ist neun, als ihre behütete Kindheit durch die Flucht ins Ausland beendet wird. Die beiden Geschwister sind jetzt Emigrantenkinder, die Familie mittellos. Alles, was ihnen lieb und wichtig ist, müssen sie zurücklassen. „Das Klavier war weg, die Vorhänge, alle Spielsachen, auch das rosa Kaninchen“, schreibt sie später. In Paris beziehen die Kerrs nach langer Odyssee eine möblierte Wohnung.


  • Kinderbuchautorin Judith Kerr – Flucht als Abenteuer

    Emigrantenleben in Armut

    Wie alle jüdischen Emigranten haben die Nazis die Kerrs enteignet und ihre Besitztümer konfiziert. Die Familie lebt im Exil in großer Armut. Judith gefällt es trotzdem, ein Flüchtling zu sein: „Paris war wunderbar“, schreibt sie später. Vater Kerr kann mit dem Schreiben die Familie kaum ernähren. Aus Geldnot müssen sie Paris verlassen, und landen 1936 in einem schäbigen Emigrantenhotel in London.


  • Kinderbuchautorin Judith Kerr – Flucht als Abenteuer

    Harte Kriegszeiten in London

    Am 1. September 1939 brechen die Nazis den 2. Weltkrieg vom Zaun. Nach den Bombenangriffen auf London sind die Kerrs auf einmal „friendly enemy aliens“. Die jüdische Emigrantenfamilie erlebt viel Solidarität durch die Briten. „Die Menschen waren so gut zu uns, so mutig. Schließlich waren wir Deutsche“, erinnert sich Judith Kerr, die patriotische Gefühle für ihre neue Heimatstadt entwickelt.


  • Kinderbuchautorin Judith Kerr – Flucht als Abenteuer

    Neue Heimat Großbritannien

    1946 beginnt Judith (rechts) dank eines Stipendiums ein Studium an der „Central School of Arts and Crafts“. Gelegenheitsjobs als Zeichenlehrerin und Lektorate bei der BBC ermöglichen ihr Unabhängigkeit von den Eltern. Ihre Mutter arbeitet zeitweise als Dolmetscherin bei den Amerikanern, auch beim Nürnberger Prozess. 1947 hält Judith stolz einen Pass in den Händen – als britische Staatsbürgerin.


  • Kinderbuchautorin Judith Kerr – Flucht als Abenteuer

    Erfolg mit ihren Kinderbüchern

    Judith Kerr schreibt Kinderbücher: 1968 erscheint „The Tiger Who came to Tea“. Beim Texten hilft ihr Mann Nigel Kneale, den sie bei der BBC kennengelernt hat, die Zeichnungen illustriert Kerr von Hand – nur mit Buntstiften und Radiergummi. 1970 folgt „Mog The Forgetful Cat“, beide Bücher Riesenerfolge. Bis ins hohe Alter saß sie am Zeichentisch und dachte sich Geschichten für Kinder aus.


  • Kinderbuchautorin Judith Kerr – Flucht als Abenteuer

    Millionenauflage für ein Jugendbuch

    Rund um den Globus werden die Kinderbücher von Judith Kerr gelesen, die Kinder lieben ihre herzerfrischenden Geschichten. Ihr berühmtestes Buch in Deutschland ist „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“, ein Klassiker der Emigrantenliteratur – auch für Erwachsene. Als Triologie erzählt sie darin die Geschichte ihrer Flüchtlingsfamilie. 1974 wird ihr dafür der „Deutsche Jugendbuchpreis“ verliehen.


  • Kinderbuchautorin Judith Kerr – Flucht als Abenteuer

    In ihrer Bücherwelt zuhause

    Am liebsten kam Judith Kerr zu Lesungen für Kinder nach Deutschland. Regelmäßig besuchte sie ihre alte Heimatstadt Berlin und stellte ihr neuestes Buch vor. 2016 war sie mit dem Kinderbuch „Ein Seehund für Herrn Albert“ (in Englisch: Mister Cleghorn´s Seal“) auf Lesereise, mit 93 Jahren. Im Publikum auf dem Literaturfestival befanden sich auch viele Flüchtlingskinder.


  • Kinderbuchautorin Judith Kerr – Flucht als Abenteuer

    Zeichnen als Lebenselixier

    Über 80 Jahren war Großbritannien ihre neue Heimat. „Ich bin sehr glücklich geworden in England“, erzählte sie 2017 im charmanten Deutsch ihrer Berliner Kindheit. In einem TV-Interview für die DW-Dokumentation „Nach der Flucht“ erzählte sie von ihrer Flucht und dem Leben als Emigrantin in London. Diese Erinnerungen bleiben auch nach ihrem Tod in ihren Büchern lebendig.

    Autorin/Autor: Heike Mund


Plötzliches Ende einer glücklichen Kindheit in Berlin-Grunewald

Geboren wird Judith Kerr am 14. Juni 1923 in Berlin. Ihre Eltern sind Alfred Kerr, der wichtigste Theaterkritiker der Weimarer Republik, und seine Frau Julia, geborene Weismann, eine Komponistin. Alfred Kerr ist ein entschiedener Gegner Adolf Hitlers, dessen nationalsozialistische Partei Anfang der 1930er Jahre immer mehr Anhänger gewinnt. Außerdem ist er Jude.

Judith Kerr mit ihrem Vater Alfred Kerr um 1931-34

Als Hitler im Januar 1933 Reichskanzler wird, flieht Alfred Kerr nach Prag. In einer Nacht- und Nebelaktion verlassen im März auch Judith, ihr zwei Jahre älterer Bruder Michael und ihre Mutter das schöne Haus im idyllischen Berliner Grunewald – kurz bevor die Geheimpolizei ihre Pässe einzuziehen versucht. In der Schweiz treffen sie sich mit dem Vater. 

„Chuchichäschtli“ und wieder ein Umzug

Hier lernt Judith ihre erste „Fremdsprache“: Schwyzerdütsch, Schweizerdeutsch. „Die anderen Kinder haben mich in der Schule immer geprüft, ob ich das kann. Die Prüfung war das Wort ‚Chuchichäschtli‘ – Küchenschrank.“ Doch die Schweiz bleibt nur Zwischenstation. Gerade als die Kinder sich an die neue Umgebung gewöhnt haben, kommt der nächste Umzug: Über Südfrankreich geht es 1934 nach Paris, wo mittlerweile viele deutsche Flüchtlinge leben. Hier hofft Alfred Kerr auf Aufträge, die in der Schweiz ausgeblieben sind. Judith versteht kein Wort Französisch, aber sie beißt sich durch, lernt die Sprache so schnell, dass sie schon nach einem Jahr die Abschlussprüfungen in der Schule glänzend besteht. 

„Ist es nicht herrlich, Flüchtling zu sein!“

Einmal, erinnert sich Judith Kerr, blickt sie mit dem Vater vom Balkon ihrer kleinen Dachwohnung – ganz oben ist es billiger – über die Dächer von Paris. „Und da soll ich zu meinem Vater gesagt haben: ‚Ist es nicht herrlich, ein Flüchtling zu sein!'“ Judith Kerr lächelt. „Das muss ihn aufgeheitert haben. Denn es war ja für meine Eltern unglaublich schwer.

Auch in Paris bleiben die Aufträge für den Vater aus. Judith Kerrs Mutter hat Selbstmordgedanken

Aber sie haben es so gemacht, dass wir sehr wenig davon gemerkt haben.“ Dass ihre Mutter damals Selbstmordgedanken hat und die Kinder mit in den Tod nehmen will, erfährt sie erst Jahrzehnte später, als sie den Briefwechsel ihrer Eltern sortiert. „Ich sah das Datum auf dem Brief und dachte: Da hatte ich doch gerade Französisch gelernt. Das wäre doch wirklich sehr ärgerlich gewesen, wenn ich da umgekommen wäre, gerade als ich Französisch konnte.“ Feiner, tiefschwarzer britischer Humor. 

Ein Zuhause voller Geborgenheit – sogar auf der Flucht

Auch als 1935 der nächste Umzug folgt, gelingt es den Eltern, Judith und ihrem Bruder ein Zuhause voller Geborgenheit zu bieten. Diesmal geht es nach London – erneut in der Hoffnung auf einen Auftrag für den Vater. Mittlerweile ist das Ersparte so gut wie aufgebraucht, die Mutter hält die Familie mit Gelegenheitsjobs über Wasser, während der Vater in seinem Zimmer schreibt – Texte, die er fast nie verkaufen kann. Judith ist schon geübt im Sprachen lernen. Bald spricht die Familie Englisch miteinander. 

Judith (rechts) um 1935-1940 mit Mutter Julia und Bruder Michael in London

„Enemy Alien“ oder Engländer?

Dann beginnt 1939 der Zweite Weltkrieg. Judith Kerr ist 17 Jahre alt, als die deutsche Luftwaffe London bombardiert. Sie arbeitet beim Roten Kreuz, organisiert die Verteilung von Kleidung für die britischen Soldaten. Eines Tages kommt ein Anruf aus Cambridge, wo ihr Bruder Jura studiert. Er ist als „Enemy Alien“, als feindlicher Ausländer, festgenommen und interniert worden. Dass er als Jude vor den Nazis fliehen musste und darauf wartet, die britische Staatsangehörigkeit zu bekommen, hatte keine Rolle gespielt. Über Beziehungen gelingt es, Michael aus einem Lager auf der Isle of Man freizubekommen. Umgehend meldet er sich als Pilot bei der Royal Air Force und kämpft gegen die Deutschen.

Im Zweiten Weltkrieg bombardieren die Nazis Judith Kerrs neue Heimat London

„Am Ende des Krieges war es mir ganz klar, dass dies mein Zuhause ist“, sagt Judith Kerr. „Aber das war es natürlich nicht für unsere Eltern. Die haben nie irgendwo hingehört.“ 

„Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“: Schullektüre in Deutschland

In ihrer autobiographischen Jugendroman-Trilogie (dem „Rosa Kaninchen“ folgen noch zwei weitere Bände) schildert Judith Kerr eindrücklich, was Flucht und Neuanfang mit einer Familie machen. Schreiben kann sie darüber erst nach dem Tod der Eltern: Alfred Kerr stirbt 1948, ihre Mutter 1965. Da sind ihr Sohn und die Tochter etwa so alt wie Judith und ihr Bruder, als sie Deutschland 1933 verlassen mussten. „Und dann dachte ich, ich würde gerne für meine Kinder ein Buch schreiben, wie das damals war.“ Das „Rosa Kaninchen“ erscheint 1971 und wird ein Welterfolg. In Deutschland gehört es zur Schullektüre, Oscar-Preisträgerin Caroline Link hat das Buch gerade neu verfilmt (geplanter Kinostart: Dezember 2019).

Die Flugzeuge stören nicht: Judith Kerr im Garten ihres Hauses im Londoner Süden

Aus der einen Stunde, die uns ihre Agentin für das Interview zugestanden hatte, waren fast zweieinhalb geworden. Judith Kerr war eine wunderbare Erzählerin, wir hörten ihr fasziniert zu. Auch sie schien Freude daran gehabt zu haben, uns aus ihrem Leben zu erzählen. Am Schluss filmten wir sie noch im Garten. Leicht gebückt, aber mit festen Schritten ging sie über den Rasen, stieg leichtfüßig über die Kamera- und Tonkabel, die wir durch ihr Esszimmer verlegt hatten. Die Flugzeuge waren draußen noch lauter zu hören, die Katze versteckte sich in den Büschen. Und wir haben vergessen, ein Erinnerungsfoto mit ihr zu machen. Als ich daran dachte, hatten wir das Kamera-Equipment schon im Teamwagen verstaut und Judith Kerr noch ein letztes Mal zugewunken. Mit ihrer Agentin war sie um die Ecke gebogen und in einer Häuserflucht verschwunden. Aber auch ohne Foto wird mir die Begegnung mit Judith Kerr lebhaft in Erinnerung bleiben. 

 

Sie möchten hören, wie bewegend Judith Kerr über ihre Kindheit spricht?

Entdecken Sie hier unser multimediales Online-Special „Nach der Flucht“.

Hier finden Sie die TV-Dokumentation „Nach der Flucht“ bei YouTube.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Check Also

Bratzel: Deutsche Autoindustrie mit enormen Problemen

Düstere Geschäftszahlen von Daimler, Rückgänge bei Produktion und Absatz in der gesamten d…